Am 26.05.2014 haben in der Aula über 150 Zuschauer "Der verlegene Magistrat" gesehen, eine Gemeinschaftsproduktion vom Theaterkurs S1/2 (Wahlpflichtbereich) und dem Schulorchester (Gesamtleitung: F. Lampe), sehr frei adaptiert nach der gleichnamigen Anekdote von Heinrich von Kleist. Hier ein Auszug aus dem Programmheft:

magistrat

Geldstrafe oder Todesstrafe? Wofür würden Sie sich entscheiden, wenn Sie die Wahl hätten? Ist doch klar: Natürlich für die Todesstrafe, oder? So zumindest sieht es unser Stadtsoldat, der – warum auch immer – ohne Erlaubnis seines Offiziers die Stadtwache verlassen hat. Und nach einem uralten Gesetz steht auf ein Verbrechen dieser Art eigentlich der Tod. Blöd nur, dass der für diesen Fall verantwortliche Magistrat, aufgrund der Situation ganz schön verlegen, ihm die Todesstrafe verwehrt und stattdessen den Übeltäter zu einer bloßen Geldstrafe verurteilt, womöglich im Glauben, dem Soldaten noch einen Gefallen getan zu haben. Blöd aber auch, dass der Soldat hartnäckig auf die ihm dem Gesetze nach zustehende Hinrichtung besteht. Auf dieser bisweilen absurd anmutenden Konstellation basiert die kurze, insgesamt fünf Sätze umfassende Anekdote „Der verlegene Magistrat“ von Heinrich von Kleist aus dem Jahre 1810, hier nun recht frei für die Bühne adaptiert. Durch Wiederholungen immer gleicher Szenen werden verschiedene Möglichkeiten des Geschehens aufgezeigt, die dem Handeln der Protagonisten mal einen ernsten und gewichtigen Grund geben und mal alles ins Lächerliche ziehen. Stark überzeichnete Charaktere und nicht immer festgelegte Rollen von Soldaten und Magistraten führen schwebend durch Nebel, clownesk marschierend in den Chatroom und wieder hinaus, vorbei an Gesandten ohne Überzeugungsgeschick und stets begleitet vom Orchester. Und was ist nun die gerechte Strafe für das Handeln unseres Stadtsoldaten?
Text: Jonathan M. / Mathilda G.