Die Fachschaft Geschichte stellt sich vor

Geschichte lernen wie „früher“? Zahlen pauken, auswendig lernen, viele langweilige Texte lesen?

Nein – auch wenn man schon Fragen stellen und Quellen anschauen muss, um etwas zu „wissen“, und etwas „wissen muss“, um noch weitere Antworten zu bekommen und andere Antworten widerlegen und ablehnen sowie Sachen einordnen und Stellung beziehen zu können! Geschichte ist ein spannendes Fach und das meiste hat mehr mit unserem eigenen Leben und den alltäglichen Details zu tun als wir zunächst denken oder bewusst wahrnehmen – und gerade eine solche Entschlüsselung macht Spaß!

Geschichte ist wie ein riesiges Puzzle: Man versucht, einzelne Teile zu drehen und zu wenden und zusammen zu legen; es bleiben aber Lücken, andere Menschen wollen andere Puzzleteile dazu legen oder möchten ein anderes Bild bauen. Und man muss Stellung dazu beziehen, wieso die einzelnen Teile so liegen, wie sie liegen, wir müssen mit den Lücken umgehen lernen und vielleicht nach und nach andere Puzzleteile dazu legen oder sogar entfernen, weil neue Erkenntnisse dazu gekommen sind. Man braucht also analytisches Denken und Spaß beim Tüfteln!

Neben der allgemeinen Selbstkompetenz, der sozial-kommunikative Kompetenz und der lernmethodischen Kompetenz steht im Fach Geschichte vor allen Dingen die Orientierungskompetenz (z.B. spannende Entdeckungen in Raum und Zeit vornehmen, aber auch mit Hilfe der Entwicklung von Fragekompetenz), die Methodenkompetenz (hier vor allen Dingen der kritische Umgang mit Quellen, ihrer „Gemachtheit“, die Fragen nach der Konstruktion und der Rekonstruktion, also z.B. dem Ersteller, den Interessen, den Hintergründen, den Adressaten etc.) und die Urteilskompetenz im Mittelpunkt (Unterscheidung zwischen und Bildung von Sach- und Werturteil).

Allgemein ist im Fach Geschichte am EWG das Ziel – ebenso wie in anderen Fächern - die Umgangssprache und die Fachsprache (Anfertigung eines Glossars) zu schärfen ebenso wie die Lesekompetenz zu fördern.

Für uns LehrerInnen am EWG ist es am wichtigsten, dass die SchülerInnen lernen, (kritische) Fragen zu stellen und Quellen lesen zu können und zu dekonstruieren, d.h. diese so auseinander zu nehmen, dass deren Konstruiertheit deutlich wird. Dadurch werden die Jugendlichen zu kritisch denkenden und damit mündigen Menschen erzogen, die lernen, den „Mund aufmachen“ und nicht in der modernen Medienwelt auf den „einfachen Schein“ hereinzufallen.

Ferner legen wir viel Wert darauf, dass sich im Fach Geschichte eine besondere Gelegenheit ergibt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, d.h. einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Somit kann man andere Kulturen, Lebenswelten, Bedingungen nachvollziehen und Toleranz wird gefördert.

Nicht zuletzt ist Geschichte ein Thema, das jedem Menschen überall im Alltag in allen Formen begegnet – hier ist ein grundlegender Ansatz des Unterrichts, dass SchülerInnen bewusst werden muss, dass sie Geschichte (die vergangene, aber auch die gegenwärtige und zukünftige) gestalten: An was will ich mich erinnern? An was soll sich eine Gesellschaft erinnern und wie? Was sagt das über „uns“ aus, wenn „wir“ uns so erinnern, wie „wir“ das machen? Und warum erinnern sich „die anderen“ anders? „Geschichte wird gemacht“ und ist ein kommunikativer Prozess.

Exkursionen sind in Geschichte unabdingbar, sei es in ein Museum (z.B. Völkerkundemuseum), in Gedenkstätten (Gedenkstätte KZ Neuengamme) oder andere historische Orte (Stadtführungen z.B.).
In der Oberstufe wird neben wählbaren Grundkursen in zwei Profilen ein historischer Schwerpunkt angeboten, einmal in Profil 1, dem Sprachenprofil, und einmal in Profil 2, dem Kunst-Geschichte-Theater-Profil. In der Oberstufe wird je nach Zentralabiturvorgabe ca. ein Thema pro Semester unterrichtet (für das Abitur 2014 und das Abitur 2015 sind hier z.B. die zwei Themen NS-Zeit und Erinnerungskultur sowie Kulturbegegnung am Beispiel der europäischen Expansion vorgegeben).
Neben speziellen Profilen der unterschiedlichen FachkollegInnen, die sich an das Curriculum halten (siehe alles weitere im Curriculum Geschichte, hier die chronologische Abfolge mit noch in Bearbeitung befindlichen Längsschnitten), können aktuelle politik- und sozialgeschichtliche Schwerpunkte Berücksichtigung finden, ebenso wie Akzente in der Geschlechtergeschichte, der Kulturgeschichte oder Mentalitätengeschichte.

Für SchülerInnen heißt das im Allgemeinen…

-    ihr sollt im Fach Geschichte, wie in anderen Fächern auch, lernen, euch selbst zu organisieren (z.B. euer Heft zu führen, die Hausaufgaben ordentlich zu bearbeiten) usw.
-    ihr sollt lernen, euch zuzuhören, euch zu unterstützen, auf eure Redebeiträge einzugehen, in Gruppenarbeit sinnvoll miteinander zu arbeiten usw.
-    ihr lernt, wie man sinnvoll und strukturiert Texte bearbeitet, wie ihr Vorträge haltet, Plakate und andere Medien nutzbar macht, wie ihr kreative Schreibaufgaben erledigt, wie ihr Fragen stellt und beantwortet usw.

und im Speziellen …

-    ihr lernt, mit welchen historischen Methoden man an Geschichte herangeht – woher wisst ihr was über die Geschichte zu einer bestimmten Zeit, ist das, was ihr habt „glaubwürdig“, könnt ihr der „Quelle“ (dem Überrest aus der Zeit) vertrauen? Oder will da jemand seine eigenen Meinungen verfolgen, indem er euch beeinflusst etc.?
-    ihr lernt etwas über die Epochen, die unterschiedlichen Zeitalter, wann sie waren, wie die Menschen lebten usw.; ihr lernt, wie man Ursachen, Anlass und Verlauf sowie Folgen von Ereignissen betrachtet: Was war wann wieso? Dies ist wichtig, wenn ihr in anderen Fächern Situationen oder Geschehnisse einordnen müsst, so etwa im Fach Deutsch
-    ihr lernt historische Quellen zu beschreiben, sie zu entschlüsseln und sie zu verwerten (Karten, Gegenstände, Filme, Briefe etc.).
-    ihr lernt, zu forschen, etwas nachzuschlagen, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema zu berücksichtigen und Ergebnisse angemessen zu präsentieren.
-    ihr lernt, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema darzustellen und auch eine eigene Ansicht mit Nennung von Gründen zu formulieren.
-    ihr versetzt euch in andere Kulturen und Menschen, die unter unterschiedlichen Bedingungen leben, dies kann auch z.B. im kreativen Schreiben (Briefe, Tagebucheinträge, Zeitreisen) aber auch im szenischen Spiel (Rollenspiele) geschehen.
-    ihr überlegt, an was ihr euch erinnern wollt, was ihr wichtig findet, dass es nicht vergessen wird; das kann sich um eure eigene Lebensgeschichte handeln, die eurer Familie, die eures Staates oder anderer Menschen. Hierzu können Museen besucht werden (gefällt euch, wie sich da an was erinnert wird?) oder Denkmäler untersucht werden (lokal bieten sich da z.B. Denk- und Mahnmale aus unterschiedlichen Epochen an, so etwa zum Ersten Weltkrieg)