Ziele des Deutschunterrichts - alte Standards und neue Trends

Deutsch in der Sekundarstufe I

Das primäre Ziel des Deutschunterrichts ist es – mit den Worten des hamburgischen Bildungsplans gesprochen – die „Entwicklung und Förderung der Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, sich schriftlich und mündlich adressaten- und situations-gerecht auszudrücken sowie Äußerungen anderer zu verstehen“. Dem Deutsch-unterricht kommt durch dieses Ziel eine zentrale fächerübergreifende Aufgabe zu, da das sprachliche sowie kommunikative Handeln und der Umgang mit Texten und Medien das Fundament der meisten anderen Unterrichtsfächer ist. Dies ist auch ein Grund, weshalb wir stets die enge Zusammenarbeit mit der Begabtenförderung und dem Bereich der Sprachlernförderung an unserer Schule suchen.

Das Fach Deutsch wird am EWG in der Klassenstufe 5 fünfstündig und in den Klassen 6 bis 10 mit vier Wochenstunden unterrichtet. Die schulinterne Umsetzung des Bildungsplans für diese Klassen, die von der Fachkonferenz Deutsch entwickelt wurde, finden Sie auf der Homepage unserer Schule unter dem Stichwort „Service“.

Der Deutschunterricht untergliedert sich in folgende Arbeitsbereiche:

a. Schreiben
b. Sprechen und Gespräch
c. Sprachanwendung und
d. Grammatik, Literatur, Sachtexte und Medien.

Dies erscheint auf den ersten Blick sehr umfangreich. Diese Bereiche werden aber in jeder Jahrgangsstufe in der alltäglichen Unterrichtspraxis an vielen Stellen wiederholt, vertieft, geprobt und ausprobiert. Richtig, Deutschunterricht hat auch etwas mit Ausprobieren zu tun: ob Vorlesen, Querlesen, Skizzieren, Vortragen oder szenisch Darstellen. In allen Fällen heißt es, sich auf Texte einzulassen und sich daran zu erproben. Dadurch lernen Schülerinnen und Schüler nicht nur Texte besser zu verstehen, sich gut auszudrücken und sich zu verständigen, sondern dadurch wird zudem eine Lesekompetenz entwickelt, die für die weitere Schullaufbahn und die spätere berufliche Ausbildung sehr wichtig ist.

Als Deutschlehrerinnen und -lehrer ist es unser Hauptanliegen, dass die Schülerinnen und Schüler die gezielte Anwendung von Kenntnissen, Strategien und Arbeits-techniken erlernen, Gedichte, Sachtexte, Romane, Dramen oder Kurzgeschichten verstehen, ihnen Informationen und Handlungsmuster entnehmen und diese deuten können. Szenische Interpretationen oder kreative Schreiberfahrungen (wie zum Beispiel Briefe, die Fortsetzung einer Geschichte, das Verfassen eines alternativen Romanendes oder Tagebucheinträge des Protagonisten) sollen die Arbeit an und mit den Texten abrunden. Denn am Ende der Analyse und Interpretation solcher Buch-stabenwelten steht dann immer auch die Herausforderung, diese Erfahrungen in die eigene Lebenswelt zu übertragen, um so die gesellschaftliche Realität differenziert wahrzunehmen und ein eigenständiges Urteilsvermögen sowie eine verantwortungs-bewusst handelnde Persönlichkeit entwickeln zu können. In diesem Rahmen bieten wir eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten auch außerhalb des Klassenzimmers an, wie z.B. Schreib- und Vorlesewettbewerbe, die AG Schülerzeitung, die Theater AGs, Autorenlesungen oder Theater- und Kinobesuche. Dieses Zusatzangebot wird durch die bereits seit 10 Jahren bestehende Mittel- und Oberstufenbibliothek im Hause ergänzt.

Am Ende der Sekundarstufe I sollen die Schülerinnen und Schüler richtig, abwechs-lungsreich und adressatenbezogen sprechen und schreiben können, um sich auszu-drücken, sich auszutauschen, zu erklären, zu untersuchen, zu überzeugen und vieles mehr. Diese Kenntnisse werden in Klasse 10 seitens der Schulbehörde in Form einer schriftlichen und mündlichen Überprüfung abgefragt. Diese Prüfung ist nicht nur ein Abschluss der Mittelstufe, sondern bildet zudem eine Basis für den Übertritt in die gymnasiale Oberstufe. Selbstverständlich widmet sich der Deutschunterricht gerade in dieser Klassenstufe der Vorbereitung dieser Überprüfungen.

Neben der Vermittlung grundlegender Kernkompetenzen und Fachinhalte sind alle Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs ständig bestrebt, den Deutschunterricht in der Form zu erweitern, dass auch neue methodische und inhaltliche Elemente Eingang finden. Nur ein Bereich, der hier beispielhaft zu nennen wäre, ist die Filmanalyse. Aber auch neue Sprachformen, wie die SMS- und Chatsprache, können erforscht werden, um an die Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen produktiv anzuknüpfen.

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Bildungsplan Schulinternes Curriculum Mediencurriculum

Deutsch in der Sekundarstufe II

Denkt man an große deutsche Literaten, so wird der gute alte Goethe vermutlich am häufigsten genannt. Und das gewiss aus gutem Grunde, denn was wäre die deutsche Literatur ohne den Faust, immerhin das meist zitierte Werk? Aber nicht nur Goethe ist einer Erwähnung wert, denn die deutsche Literatur hat von Schiller über Fontane und Thomas Mann bis hin zu Günter Grass sehr viel mehr zu bieten. Und auch die post-moderne Literatur (Literatur seit ca. 1980) hat mit Schriftstellern wie z.B. Julia Franck oder Daniel Kehlmann preisgekrönte Vertreter. Der Literaturunterricht der Oberstufe beschäftigt sich mit einigen ausgewählten Wer-ken und beleuchtet diese vor dem Hintergrund des durch das Zentralabitur vorgege-benen Semesterthemen (z.B. Rebellion und Narzissmus, Grenzüberschreitungen: Identität und Kultur, Amerika im Kopf). Neben einer inhaltlichen und sprachlichen Interpretation des Werkes an sich (textimmanente Interpretation) werden dabei auch der zeitgeschichtliche Kontext, die Literaturepoche, autobiographische Aspekte und die Rezeptionsgeschichte untersucht. Spannend ist dabei auch - vor allem bei den sogenannten Klassikern - einen Bezug zu unserer heutigen Zeit herzustellen. Wenn man z.B. den Faust liest, dann könnte man geradezu meinen, Goethe hätte schon 1808 genau gewusst, wie die Gegenwart aussehen werde. Oder ändert sich der Mensch einfach nie?

Neben all den vorgegebenen Themen und Werken und den damit verbundenen text-sortenspezifischen Aufgabenstellungen noch die individuelle Leselust der Schülerinnen und Schüler aufrecht zu erhalten, das ist uns ein großes Anliegen. Denn wie sagte Kafka schon: „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Lesen ist also auch ein sehr persönlicher Prozess, der durch den Deutschunterricht nicht zerstört werden sollte, sondern im Gegenteil gefördert werden sollte. Fokussierte der Deutschunterricht früher primär die Behandlung von Romanen, Novellen, Dramen und Gedichten, so wurde dieses Spektrum im Laufe der Jahre auch durch andere Komponenten ergänzt. Zum Beispiel durch die Filmanalyse, die einen Beitrag zum anspruchsvollen und kritischen Umgang mit dem Medium Film leisten soll. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist auch das kreative Schreiben und die szenische Interpretation, wodurch andere Zugänge zu einem Werk ermöglicht werden. Um in einer globalisierten und von Medien geprägten Welt als mündiger Bürger die Orien-tierung zu behalten, ist ferner der Umgang mit Sachtexten, die tagtäglich auf uns herniederprasseln, ein relevanter Aspekt des Unterrichts. Hier sind beispielsweise die inhaltliche und rhetorische Interpretation von diversen Zeitungskommentaren, Glos-sen, Internetblogs oder politischer Reden zu nennen. Die „Macht der Sprache“ sollen die Schülerinnen und Schüler überdies auch durch das Verfassen eigener Sachtexte (politische Reden, journalistische Texte) erfahren.

Der Deutschunterricht der Oberstufe bereitet, bei einer genauen Betrachtung der thematischen und methodischen Vielfalt, demnach keineswegs nur auf ein mögliches Germanistikstudium vor. Er ermöglicht und vermittelt uns vielmehr eine Vielzahl an Perspektivwechseln und Kompetenzen, die in sämtlichen beruflichen Kontexten, aber auch in vielen Bereichen des Privatlebens notwendig und überaus hilfreich sind.

Unterrichtsumfang und Wahlmöglichkeiten

Am Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium wird Deutsch, wie an allen anderen Gymnasien in Hamburg auch, als Kernfach vierstündig pro Woche unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler können dabei wählen, ob sie Deutsch im erhöhten oder grundlegenden Anfor-derungsniveau belegen möchten. Zwei der drei Kernfächer (i.d.R. Deutsch, Mathema-tik oder eine Fremdsprache) müssen hierbei auf einem erhöhten Niveau angewählt werden.

Um auf die Oberstufe im Fach Deutsch gut vorbereitet zu sein, sollte man am Ende der Jahrgangsstufe 10 den inhaltlichen und methodischen Umgang mit den folgenden Textsorten mündlich und schriftlich (Textanalyse/Interpretationsaufsatz) beherrschen:

  • Interpretation fiktionaler Texte (Roman, Kurzgeschichte, Drama, Gedicht) auf der Grundlage des Inhalts, der formalen und sprachlichen Gestaltung und des historischen/epochalen Hintergrundes
  • Analyse eines Sachtextes (z.B. politische Rede, Zeitungskommentar)
  • freie und textgebundene Erörterung (Kriterien, Struktur, Methodik)
  • terminologische und gattungsspezifische Kenntnisse (z.B. rhetorische Figuren, Argumentationstypen, Erzähltechnik)
  • kreative Schreiberfahrungen (z.B. Briefe, Fortsetzung einer Geschichte, Verfas-sen eines alternativen Romanendes, Tagebucheinträge, politische Rede, journa-listische Texte)
Die folgenden Links bieten weitere Einblicke in den Deutschunterricht der Oberstufe vor dem Hintergrund des Hamburger Zentralabiturs:

Abiturrichtlinien im Fach Deutsch Rahmenplan Deutsch Oberstufe