Schulinspektion 2010: "Herzlichen Glückwunsch!"

"Herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt, wie es nur wenige Schulen in Hamburg erreichen!" Mit diesen Worten hat Herr Toetzke, der zuständige Schulaufsichtsbeamte, die Bewertung der Ergebnisse der Schulinspektion eingeleitet. In der Tat dürfen wir uns freuen, dass das EWG in 10 von 13 untersuchten Bereichen "mehr Stärken als Schwächen" aufweist und nur in drei Bereichen "mehr Schwächen als Stärken".

Auf einen Blick

Ihre Schule weist bei den folgenden Qualitätsbereichen mehr Stärken als Schwächen auf:
1.1 Führung wahrnehmen
1.3 Finanz- und Sachmittel gezielt einsetzen
1.4 Profil entwickeln und Rechenschaft ablegen
2.1 Das schuleigene Curriculum entwickeln
2.2 Unterrichten, Lernen, Erziehen
2.3 Organisatorische Rahmenbedingungen sichern
2.4 Leistungen beurteilen
2.7 Beratungsangebote gestalten
2.8 Die Schulgemeinschaft beteiligen
3.1 Zufriedenes Personal, zufriedene Schülerinnen und Schüler, Eltern und Betriebe


Ihre Schule weist bei den folgenden Qualitätsbereichen mehr Schwächen als Stärken auf:
1.2 Personal entwickeln
2.5 Prozesse und Ergebnisse evaluieren
2.6 Förderkonzepte entwickeln"

Schaut man etwas näher ins "Qualitätsprofil", so ragen unter den Stärken insbesondere die Ergebnisse im Bereich "Profil entwickeln und Rechenschaft ablegen" hervor. Zur Einordnung der Ergebnisse insgesamt muss man auch wissen, dass die vierte Kategorie (mit dem Label: "Schwach: Bei nahezu allen Teilkriterien sind Verbesserungen erforderlich") am EWG gar nicht vorkommt. Insofern hat auch die Leiterin der Inspektion uns beglückwünscht und die Worte mitgegeben:
"Wir hoffen, dass unsere Rückmeldung für Sie hilfreich ist und an der einen oder anderen Stelle produktiv werden kann, wenngleich es an keiner Stelle unmittelbaren Handlungsbedarf bei Ihnen gibt. Entscheiden Sie selbst, was Sie aufgreifen und wie Sie damit umgehen."
Zur Einordnung dieser Aussage ist interessant zu wissen, dass vorgesehen ist, Schulen mit entsprechend kritischen Ergebnissen Handlungsaufträge durch die Schulaufsicht zu erteilen.

Wie sind nun diese Ergebnisse ermittelt worden?

Zentrale Instrumente der Schulinspektion

Vor dem Schulbesuch: Fragebogenerhebung (im Online-Verfahren) sowie die Abgabe dieser Schuldokumente:
• Schulprogramm aus dem Jahr 2000 sowie dessen Aktualisierungen aus den letzten Jahren
• Ziel- und Leistungsvereinbarungen (ZLV) aus den Jahren 2006/2007 bis 2009/2010
• Leitbild
• Stoffverteilungspläne für die Fächer Englisch, Mathematik und Sport
• Fortbildungsplan
• Flyer (als Wahldokument)

Der Schulbesuch:
Unterrichtsbesuche an 2 Tagen
Interviews mit der Schulleitung, mit Lehrerinnen und Lehrern (12 Personen), mit Schülerinnen und Schülern mit Eltern sowie mit dem technischen und Verwaltungspersonal (3).

Online-Befragung:
Beteiligung: 388 von 888 Schülerinnen und Schülern (43,7 %), 375 von 795 Eltern (47,2 %) sowie 45 von 65 Lehrerinnen und Lehrern ( 69,2 %).
Im Bericht heißt es dazu: "Die Rücklaufquote bei den Eltern und den Schülerinnen und Schülern liegt unter 50 Prozent. Aus diesem Grund können die Werte nicht als repräsentativ für die gesamte Elternschaft bzw. Schülerschaft angesehen werden. Entsprechend haben wir daher bei der Bewertung nur Tendenzen berücksichtigt."
Zur Einschätzung dieser Zahlen hat die Leiterin der Schulinspektion uns informiert, dass diese Rücklaufquoten im Vergleich mit den anderen HHer Schulen "sehr hoch“ lägen.
Gleichwohl hätten wir uns natürlich mehr Antworten von allen an Schule Beteiligten gewünscht.
Möglicherweise ist sogar die Zufriedenheit unter denen, die sich nicht beteiligt haben, tendenziell groß (so lautet zumindest eine gängige Begründung zum Verzicht auf die Teilnahme), aber am Ende wissen wir es nicht und wollen das Rätselraten denn auch lieber unterlassen.

Wie sehen Lehrer, Schüler und Eltern unsere Schule?

Wir greifen hier die zentrale Qualitätsdimension "Wirkungen und Ergebnisse" auf und zitieren aus dem Bericht, S. 29 den Abschnitt 3.1.:
"3.1 Zufriedenes Personal, zufriedene Schülerinnen und Schüler, Eltern und Betriebe
Orientierungsrahmen Schulqualität: Gute Führung und gute Prozesse bewirken Zufriedenheit bei Lehrerinnen und Lehrern. Schülerinnen und Schülern, Eltern und Betriebe stehen im Zentrum schulischen Handelns. Die Zufriedenheit des pädagogischen und nicht pädagogischen Personals, der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern ist an guten Schulen hoch."

Soweit die Zielmargen des 'Orientierungsrahmens Schulqualität', über das EWG heißt es dann im Bericht:

"Ein großer Teil aller Lehrkräfte geht gern an die Schule, wie aus der Befragung hervorgeht. Die Lehrkräfte der Schule sind mit den Arbeitsbedingungen an der Schule und mit dem Klima überwiegend zufrieden. Dies wird im Interview und in der Lehrerbefragung bestätigt (LFB, Fragen 53 und 54).
Sie schätzen in besonderem Maße die fachliche Unterstützung durch die Kolleginnen und Kollegen (LFB, Frage 58). Mit den Kommunikationsstrukturen (LFB, Frage 55) ist nur die Hälfte der Lehrkräfte zufrieden. Die Lehrkräfte können mehrheitlich ihre Ideen zur Entwicklung der Schule einbringen (LFB, Frage 56) und heben dies im Interview besonders hervor.
Im Interview loben sie das nette, konstruktive Miteinander und die vielen positiven Energien. Sie bemängeln die fehlende Struktur und die Belastung durch fehlende Schwerpunktsetzungen.
Dabei sehen Sie in der mangelnden Führung den Hauptgrund.

Die Schülerinnen und Schüler gehen insgesamt gern an die Schule. Dies wird im Interview und in der Befragung (SFB, Frage 41) durchweg bestätigt.
Sie finden es überwiegend positiv, wie die Lehrkräfte sich für sie einsetzen und den Unterricht gestalten (SFB, Fragen 32 und 33). Darüber hinaus geben sie in der Befragung an, dass sie mit den schulischen Veranstaltungen wie Festen und Wettbewerben insgesamt zufrieden sind. Im Interview sehen sie neben den bereits genannten Aspekten noch das Profil der Schule als Theaterschule, die Bedeutung der einzelnen Persönlichkeit eines jeden und das durchweg freundliche Miteinander als Stärken an. Die Schülerinnen und Schüler nennen im Interview auf unsere Frage nach den Schwächen die noch nicht umgesetzte Umgestaltung des Schulhofs. Gelegentliches organisatorisches Chaos sehen sie als sympathische Schwäche und ein Erkennungsmerkmal der gesamten Schule.

Die Eltern äußern sich im Interview und in der Befragung (EFB, Fragen 21, 23, 24 und 35) deutlich zufrieden mit dem Schulleiter und überwiegend zufrieden mit den Kompetenzen und dem Engagement der Lehrkräfte sowie mit der Schule insgesamt. Sie geben als Kritikpunkt den Informationsfluss an, der aus ihrer Sicht besser sein könnte. Unterschiedlicher Ansicht sind die Eltern in der Online-Befragung zur Zufriedenheit mit den Förderangeboten der Schule für leistungsstarke wie leistungsschwache Schülerinnen und Schüler sowie mit den vorhandenen Betreuungsangeboten (EFB, Fragen 29, 30 und 31). Die Eltern heben im Interview als besondere Stärke hervor, dass der erste Eindruck der Schule, den alle als hell, freundlich und offen beschreiben, auch nach längerer Anwesenheit bestätigt wird. Als Schwäche sehen sie mit großer Übereinstimmung, dass eine individualisierte Lernkultur – wie viele sie aus der Grundschule gewohnt gewesen sind und von der viele gehofft haben, sie hier vorzufinden – noch keinen Einzug gehalten hat.“ Das Thema Individualisierung ist mit Sicherheit ein Thema der Zukunft, gerade die Gymnasien stehen hier gewiss erst am Anfang der Entwicklung.

Fazit

Die Ergebnisse der Schulinspektion sind im Ganzen sehr erfreulich und haben uns keine ganz großen Überraschungen beschert. Gleichwohl ist es hilfreich, bestimmte ‚blinde Flecken’ oder gar ‚wunde Punkte’, auch wenn diese keineswegs ganz unbekannt waren, von den Schulinspekteuren nach umfangreicher Recherche gespiegelt zu bekommen.
Mit dem auf diese Weise geschärften Blick werden wir bestimmte Fragestellungen und Bereiche im Weiteren fest in den Blick nehmen.

Winfried Rangnick